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An Important Message

To celebrate pride and mark the current situation in the US and Germany, here's a short talk that I gave in my German class last November.

„Das Diskriminierungsverbot in Artikel 3 unseres Grundgesetzes muss geachtet und gelebt werden.“1 Leider fehlt immer noch in Artikel 3 und unserer Gesellschaft Akzeptanz verschiedener sexuellen und geschlechtlichen Identitäten. Immer wieder bekommen wir Nachrichten über Anfeindungen gegen queere Menschen.

Daher möchte ich die nächsten Minuten nutzen, um eure Anschauungen über queere Menschen ein bisschen positiv zu verändern. Im ersten Teil, dem wichtigsten, erkläre ich euch die Diskriminierungen, die sie im 20. und 21. Jahrhundert auf soziale, politische und juristische Ebenen erfuhren. Danach erläutere ich, dass Diskriminierungen auch innerhalb einer Community stattfinden können. In dem dritten und letzten Teil schlage ich euch kleine Schritte vor, womit ihr euch beschäftigen könnt.

1.

Die Akzeptanz von queeren Menschen ist wichtiger denn je. Just vor 3 Wochen (am 01.11.2024) ist das Selbstbestimmungsgesetz in Kraft getreten. Es soll transsexuelle, intersexuelle und nichtbinäre Menschen erleichtern, ihren Geschlechtseintrag und Vornamen ändern zu lassen.2 Wobei: Bis jetzt mussten sie aufgrund des Transsexuellengesetzes aus den 80ern ein juristisch komplexes, kostspieliges und manchmal menschenunwürdiges Verfahren durchziehen.

Wohl bekanntere Diskriminierungen haben schwule und bisexuelle Männer im 20. Jahrhundert erlebt. Der Paragraph 175 des deutschen Strafgesetzbuches, der während der Nationalsozialistenzeit verstärkt worden war und bis 1994 gültig war, soll etwa 140.000 Männer verurteilt haben.3 Die Frankfurter Homosexuellenprozesse 1950-51 führten zu Verhaftungen von rund 100 Männern und Suiziden von 6 weiteren.4

Außerdem starben viele Menschen dadurch, dass die AIDS/HIV-Pandemie in den 80ern mit Angst, Gleichgültigkeit, sogar Ekel begegnet worden war. Infolgedessen waren in den USA MSMs (Männer, die Sex mit Männern haben) bis zu 2020 lebenslang von Blutspenden verboten,5 weil die Gesellschaft trotz Expertenmeinungen an ihren Stereotypen festhielt, dass solche Männer riskant verhaltend und promisk seien. Erst nach der Corona-Pandemie, als ein Mangel an Blutspende festgestellt worden war, hat sich die Food and Drug Administration dazu entschieden, das überholte zeitbedingte Kriterium aufzuheben.6

Dennoch erfahren queere Menschen immer noch Diskriminierungen in westlichen Gesellschaften, gerade in Deutschland. Für sie ist es äußerst schwer, eine Familie mit Kindern qua Adoption oder Leihmutterschaft zu gründen. Bei jedem Coming-Out zu ihrer Familie, Freunden und Kollegen gehen sie ein Risiko ein, kein Dach mehr über'm Kopf zu haben, ihre soziale und finanzielle Sicherheit zu verlieren, und und und. Nur wenige von uns können ihre Angst davor wirklich verstehen.

2.

Kommen wir jetzt zu dem zweiten Punkt: Intoleranz und Diskriminierungen gibt es auch innerhalb ‘ner Community. Leider. Bitte deshalb mehr Akzeptanz und Zusammenarbeit. Hier sind einige Beispiele.

Im 20. Jahrhundert haben sich manche queere Vereinen in den USA und Deutschland gespaltet. Da fühlten sich Lesben und Transmenschen ausgegrenzt von Schwulen, denn ihre Themen galten als unwichtig. Sie begann ihre eigenen Vereinen zu gründen.

Auf Grindr und Co. neigen manche schwule Männer dazu, andere zu diskriminieren, die nicht weiß sind, nicht cis sind, nicht geil sind, usw. Manche Schwule und Lesben glauben, Bisexualität sei eine Selbsttäuschung.

In der letzten Folge von Sag's mir, hat sich ein Transmann viel Mühe gegeben, mit einer vermeintlichen TERF (Trans-Exclusionary Radical Feminist) im Gespräch zu bleiben.7 Es war schwer zu sehen, wie die Feministin, die als Psychotherapeutin arbeitet, seine Transidentität verleugnete und sogar ihm Schuld gab für seine Gefühlsverletzungen.

3.

Warum müssen wir anderen so viel Leid antun? Was können wir anders, sodass eben Menschenfeindlichkeit in unserer demokratischen Gesellschaft weniger Platz nimmt?

Das allerwichtigste: Über sich selbst reflektieren. Sprich, mit welchen Privilegien betrachte ich gerade dieses Thema? Woher kommen meine Vorurteile gegen queere Menschen bzw. meine Unterstützung für sie?

Zweitens, sich über queere Menschen informieren und fähig sein, über aktuelle Themen wie z. B. das Selbstbestimmungsgesetz sachlich zu diskutieren. Studien weisen darauf hin: Es reicht schon, eine queere Person kennenzulernen, um unsere Vorurteile gegen sie abzubauen.

Falls ihr solche Person noch nicht getroffen habt, gibt es viele Bücher, Filme, TV-Serien, Alben, Museen, Veranstaltungen neben CSDs und Seminare von VHS, womit ihr euch privat beschäftigen könnt. Ich bin gespannt, wie ihr diesen Monat eure Meinungen über queere Menschen ändern möchtet.

Footnotes

  1. https://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/aktuelles/DE/2023/20230911_Erklaerung_Beauftragte.html

  2. https://www.zeit.de/news/2024-11/01/selbstbestimmungsgesetz-ist-in-kraft-was-bringt-es

  3. https://de.wikipedia.org/wiki/%C2%A7_175_Strafgesetzbuch_(Deutschland) (abgerufen am 01.06.2025)

  4. https://de.wikipedia.org/wiki/Frankfurter_Homosexuellenprozesse (abgerufen am 01.06.2025)

  5. https://www.health.harvard.edu/blog/the-fda-relaxes-restrictions-on-blood-donation-202305192936

  6. https://www.fda.gov/regulatory-information/search-fda-guidance-documents/recommendations-evaluating-donor-eligibility-using-individual-risk-based-questions-reduce-risk-human

  7. https://www.zdf.de/video/talk/sags-mir-102/selbstbestimmungsgesetz-110